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… eine moderne Heilpflanze

Schon seit Menschengedenken ist das Johanniskraut (griech.: Hyperikum perforatum) mit der Sommersonnenwende verbunden. An diesem Tag, dem 21. Juni, hat die Sonne ihren höchsten Stand erreicht – es ist die kürzeste Nacht und der längste Tag im Jahr. Das Johanniskraut, so wusste man seit Alters her, ist, an diesem Tag gesammelt, am heilkräftigsten.

Doch erst die moderne Heilkunde hat die antidepressive und zentrale Wirkung von Johanniskraut wiederentdeckt. Inzwischen wurde auch klinisch gezeigt, dass man mit Johanniskraut bei Hirntumoren, Alkoholismus und nach einer Krebsbehandlung eine heilende Wirkung erzielen kann. Die Volksheilkunde nutzt Johanniskraut als Wund- und Nervenheilmittlel, zur allgemeinen Kräftigung, bei geistiger Erschöpfung, bei Blutarmut und nach schweren Krankheiten zur allgemeinen Erholung.

Die ausführlichste Beschreibung des Johanniskrauts geht auf Paracelsus vor mehr als 450 Jahren zurück. Im Johanniskraut war für Paracelsus der Wille Gottes sichtbar:

„Nichts vertreibt die Krankheit als Stärke;
drum ist die Medizin eine Stärke und eine Macht,
die alle Krankheit vertreibt.“ Paracelsus

Auch der psychoaktive Effekt war den alten Kräuterkundigen bekannt. Die Bezeichnung „Hyperikum“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „über“, „Eikon“ heißt „Bild“. Hyperikum hebt also den menschlichen Geist über die bedrohlichen inneren Bilder, über die krankhafte Einbildung hinaus. Das Johanniskraut, das wussten schon unsere Vorfahren, kann dem Menschen neue Kräfte geben durch das in seinen Blättern und Blüten gespeicherte Sonnenlicht. Paracelsus hat Johanniskraut schon gegen Melancholie, Depressionen und Hysterie eingesetzt – er nannte die psychischen Leiden „Phantasien“, wodurch „im Geiste ein anderer Geist geboren wird, von welchem der Mensch regiert wird“.

Die Homöopathie nennt Johanniskraut das Arnika der Nerven,
denn es ist eines der besten Nervenheilmittel.

Aussehen: Johanniskraut wird ca. 80 bis 100 cm groß, extrem hart und aufrecht, deshalb wird es auch Hartheu genannt. Johanniskraut lässt sich praktisch nicht abreissen – dazu ist der Stengel zu fest. Um die Wurzel beim Pflücken nicht mit herauszureissen, sollte man die Pflanze abschneiden. Am Stengel erfühlt man zwei Längskanten, andere Arten haben vier. Die Blätter sitzen ohne Stiele in gegenständiger Ordnung übereinander am Stengel. Gegen das Licht gehalten erkennt man kleine Pünktchen, die zum Namen „Hypericum Perforatum“ geführt haben.

Vorkommen: Johanniskraut liebt sonnige Waldränder, Gebüsche und lichte Wälder. Die Pflanze ist so anspruchslos, dass sie als Anzeiger für die Kargheit des Bodens und der Wiese, auf denen sie wächst, gilt.

Brauchtum: Im Mittelalter galt die Pflanze als Schutz vor Dämonen, bösen Geistern und Unwetter. Die Bauern hängten Johanniskraut in den Stall, um das Vieh zu schützen, und in der Stube hing am Fensterkreuz ein Stäußchen, um bösen Geistern den Eintritt zu verwehren. Bis ins letzte Jahrhundert war der Brauch lebendig, am Johannistag einen Kranz aus diesem Kraut auf das Dach des Hauses zu werfen, um es vor Blitzschlag zu schützen.

Verwendungsweise (innerlich): Als Tee und als Tinktur gegeben, stärkt es die Nerven und wirkt ausgleichend bei Depressionen, nervlicher Erschöpfung, Schlaflosigkeit und bei Schockzuständen. Bei all den vorgenannten Symptomen trinkt man je nach Bedarf zwei bis drei Tassen Tee oder nimmt von einer Tinktur 3 x 20 Tropfen ein. Nach einem schweren Schock – wie z.B. nach einem Unfall – ein halbes Likörgläschen der verstärkten Johanniskrauttinktur “ Hyperforat“ einnehmen.

Verwendungsweise (äusserlich) als Öl: Als Wundheilmittel und nach einem Sonnenbrand wirkt Johanniskrautöl schmerzstillend, entzündunghemmend und heilend. Es hilft bei Stich-, Quetsch- und Schürfwunden, Narbenschmerzen, Hexenschuss und Muskelzerrungen. Überall da, wo besonders viele Nervenenden verletzt sind, und bei ziehenden und reissenden Schmerzen ist Johanniskrautöl angezeigt. In einer Flasche kann man eine kleine Menge mit gutem Leinöl ansetzen, um so ein spezielles Johanniskrautöl zur Behandlung von Sonnenbrand und Brandwunden zu erhalten, da Leinöl selbst brandstillende Kräfte hat.

Zubereitung: Die bekanntese Zubereitung aus dem Johanniskraut ist das rubinrote Johanniskrautöl. Hier sammelt man die Blüten, füllt damit ein helles Schraubglas und gießt mit kaltgeschlagenem Olivenöl- oder Sonnenblumenöl auf. Es sollen keine Pflanzenteile vom Öl unbedeckt bleiben. Danach gut verschlossen halten. Drei Wochen an der Sonne stehen lassen und danach abseihen.

Hypericin in der Tumorbehandlung: Untersuchungen an der Universität von Südkalifornien haben eine Wirkung von Johanniskraut auf Krebszellen entdeckt, die Hirntumorpatienten bei der Operation entnommen worden waren. Seit längerem war schon bekannt, dass das Wachstum der besonders bösartigen Krebsgeschwülste von der Menge des Enzyms Proteikinase-C- abhängt. Bei der Untersuchung zeigte sich, dass Hypericin das Wachstum der Krebszellen hemmt. Da Hypericin auch die Blut-Hirn-Schranke passiert, wurden nun erste Versuch damit gemacht,  Johanniskraut in der Behandlung von Gehirntumoren einzusetzen.

Johanniskraut contra sythetische Antidepressiva: Wie sich anlässlich eines wissenschaftlichen Symposiums herausstellte, erbrachten zahlreiche mit Johanniskraut durchgeführte Studien eine ebenso gute therapeuthische Wirkung wie die von chemischen Antidepressiva. Auch bei Alkoholabhängigkeit unterstützt die Gabe von Johanniskraut den Behandlungserfolg. Insgesamt hat Johanniskraut bei ordnungsgemäßer Einnahme noch einen klaren Vorteil: Es kommt zu keinerlei Nebenwirkungen.

Literatur: Fischer-Rizzi, Susanne: Medizin der Erde, Irisiana

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